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"Gewiss war es nicht immer das beste Menschenmaterial, aus
dem die neue Bruchbewohnerschaft sich zusammensetzte": Dieses
harte Urteil des Staatsarchivrats Dr. Gottfried Wenz aus dem Jahre
1930 (Mengel, Das Oderbruch 1: 177) ist heute nicht mehr zu überprüfen.
Wir wollen keine Urteile über die jetzige Bewohnerschaft des
Bruches fällen. Vielmehr sind wir an einem Umstand interessiert,
von dem alle Oderbrücher betroffen sind: Wer hier lebt, siedelt
in gefährlichem Gelände - bei einem Hochwasser kann man
Haus und Hof verlieren und muss vielleicht zusehen, wie jahrelange
Gartenarbeit vernichtet wird und liebevoll gepflanzte Bäume
absterben. Wer ein paar Meter höher wohnt, lebt gleichwohl
in einer gefährdeten Landschaft. Die Leute haben sich trotzdem
entschieden, hier zu sein - oder die eigenen Vorfahren haben es
getan.
Auf jeden Fall ist man im Oderbruch nicht einfach Bewohner, sondern,
fast wie vor 250 Jahren, Kolonist. Es fordert eine Entscheidung,
zu kommen, zu gehen oder zu bleiben. das Leben hier ist permanente
Pionierarbeit geblieben. Deshalb verliert es hier schon nach kurzer
Zeit an Bedeutung, wann jemand gekommen ist - wer siedelt, gehört
dazu. Wir fragen Menschen aus dem Oderbruch nach ihren Erfahrungen
als Kolonist und danach, was ihnen die Landschaft bedeutet, ermöglicht
- oder was sie ihnen abschlägt.
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