Handwerker im Oderbruch

Autohaus Oderbruch, Altranft Fotografie: Ingar Krauss 2016

 

Handwerker im Oderbruch

Kfz-Werkstatt Siegfried Stahl, Gusow Fotografie: Ingar Krauss 2016

 

 

 

Handwerk hat goldenen Boden, auch heute noch

Matthias Heidgerken und Matthias Abeln, Autoschlossermeister Autohaus Oderbruch in Altranft

Aufgeschrieben von Katja Lehnert

Wir sind auf ganz unterschiedliche Weise zu unserem Beruf gekommen.
Matthias Abeln (Jahrgang 1963): Ich habe immer schon ein bisschen rumgeschraubt. Zu Hause hatten wir eine kleine Werkstatt, das fing mit Mofas an. Ich begann eine Ausbildung zum Elektromaschinenbauer und kam dann zum Kfz, zuerst als Lkw-Schlosser, nach der Lehre wechselte ich zu Pkw. Damals waren die Ausbildungsziele bei Pkw und Lkw gleich. Heute machen sie da einen Unterschied.

Matthias Heidgerken (Jahrgang 1965): Meine Eltern hatten mit Autoschraubern nichts am Hut. Nachdem ich die elfte Klasse zum zweiten Mal wiederholt hatte, gab es eine ganz schnelle Entscheidung. Sechs Wochen vor den Zeugnissen schmiss ich die Schule, meine Mutter rief sofort beim Arbeitsamt an. Bei VW war eine freie Stelle, früher gab es noch Lehrstellen ohne Ende. Dort fing ich gleich an. Der Chef schaute mich an und sagte: „Du kannst wohl ordentlich mit anpacken?“ Ich sagte: „Ich gehe davon aus.“ Und dann war das meine Lehre, drei Jahre lang. Anschließend war ich dort noch mal fast vier Jahre lang Geselle. Zwischenzeitlich lernte ich meinen Kompagnon kennen, das war 1987. Wir stiegen dann 1990 ins Auto, sind hierüber gefahren und von dem Tag an machen wir das zusammen.

Mit der Meisterschule haben wir noch in Cloppenburg angefangen, dann kam die Wende und unser Umzug in den Osten, deshalb mussten wir erst mal abbrechen. Mittlerweile haben wir das nachgeholt, denn man braucht einen Meistertitel für eine eigene Werkstatt. Vorher mussten wir immer einen Meister einstellen, um diesen Laden betreiben zu dürfen. 2003 sagten wir, so geht es nicht weiter, und drückten noch mal ein halbes Jahr die Schulbank. Das ging über die Handwerkskammer.

Zuerst sahen wir uns in Schwerin und Rostock um, dort gefiel es uns aber nicht, der ganze Landstrich nicht. Meine Freundin hat hier im Oderbruch Verwandtschaft, da waren wir schon im Dezember 1989 mal zu Besuch, und mir hatte die Gegend gleich sehr gut gefallen, ist schön dicht an Berlin, nicht völlig ab vom Schuss. Und die Landschaft ist ähnlich wie in Niedersachsen, nur schöner. Im März 1990 waren wir noch mal zusammen hier und dachten, wenn wir eine Werkstatt aufmachen, warum dann nicht hier? Und so kam es. Das war früher mal eine alte Treckerbude von der LPG Thomas Müntzer. Als die stillgelegt wurde, war die Werkstatt vakant und wir konnten einziehen.

Im März 1991 haben wir offiziell aufgemacht. Anfangs war es schwierig. Wir mieteten uns damals kurzfristig in der Bad Freienwalder Schamotte in einer Baracke ein, einem Arbeiterwohnheim. Da konnten wir nicht lange bleiben, weil die Schamotte abgewickelt wurde. Danach kauften wir uns einen Wohnwagen und wohnten erst mal hier auf dem Gelände. Auch aus dem Grund, weil uns hier richtig zugesetzt wurde. Die haben uns alles kurz und klein gehauen. In einer Nacht zertrümmerten die uns 20 Autos. Es wurden auch Autos geklaut. Nach einem Dreivierteljahr wurde uns das mit dem Wohnwagen zu viel, ohne Dusche und so. Danach wohnten wir eine Weile über der Diskothek, der Lärm störte uns nicht, am Wochenende waren wir sowieso nie da. Wir sind jeden Freitag um 16 Uhr rein in den Lkw und ab nach Cloppenburg, um Teile zu holen, weil es hier noch nichts gab. Am Samstagmorgen kauften wir Teile, am Abend haben wir uns vergnügt und Sonntagnacht fuhren wir zurück. Das ging zwei Jahre lang so. Zu dem Zeitpunkt hatten wir schon zwei, drei Mitarbeiter. Wir konnten uns vor Arbeit nicht retten, weil wir die Einzigen in der Gegend waren, die mit Westautos Erfahrung hatten und Werkstätten waren damals noch dünn gesät. Dieser massive Konkurrenzdruck kam erst später. Wir hatten vielleicht für zwei, maximal drei Jahre einen Vorsprung. Dann rückten viele Leute nach, aber wir hatten mittlerweile schon einen Kundenstamm aufgebaut. 1995 kauften wir unser Haus bei Wriezen. Das ist ein altes Bahnhaus von 1902, das hatte die Bahn für ihre Mitarbeiter gebaut.

Wir haben 1995 oder 1996 angefangen, auszubilden. Die Leute, mit denen wir arbeiten, wollten wir selbst ausbilden, das war das Ziel. Und sowieso muss man ganz klar Leute ausbilden, die Leute wachsen nach, die wollen später auch eine Arbeit. Zu der Zeit gab es hier wenige Ausbildungsplätze, ergo gingen viele nach Westdeutschland. Und wer erst mal weg ist, der kommt so schnell nicht wieder. Nie mehr wieder kann man nicht sagen, aber erst mal ist man weg. Das ist das große Problem. Wir haben das auch als gesellschaftlichen Auftrag gesehen, das ist ganz normal. Unsere beiden Meister tickten genauso, die bildeten immer aus. Ich habe damals keine Bewerbungsmappe abgegeben, ich schaute einfach am Freitag vorbei und am Montag fing ich an, weil ein Lehrling ausgestiegen war. Einer von denen, die jetzt hier arbeiten, der Marcel, ist hier ausgebildet worden, die anderen beiden nicht. Eine Zeit lang hatten wir drei Kfz-Mechaniker, die wir alle selbst ausgebildet hatten. Aber wie das bei jungen Leuten so ist, man muss auch mal weggehen von dort, wo man gelernt hat. Man kann aber auch wiederkommen, das ist nicht die Frage.

Im Moment sind wir drei Gesellen, wir beide als Geschäftsführer, eine Sekretärin, und ein Vorarbeiter für die Lackiervorbereitungen. Wir waren auch schon mal fast doppelt so viele. Wir haben abgebaut, weil wir merkten, dass mehr übrig bleibt, wenn man das Ganze etwas kleiner aufzieht. Irgendwann sagten wir, dieses ewige Wachsen, Wachsen, Wachsen kann es nicht sein, man lebt genauso gut, wenn man etwas weniger macht.

Auch wenn wir hier die Geschäftsführer sind, beherrschen wir unser Handwerk noch. Wir können Trecker reparieren oder Notstromaggregate und Rasenmäher. Alles, was zwei oder vier Räder und einen Motor hat, kann man hierher bringen. Solange es kein Zwölftonner ist, den kriegen wir nicht auf die Bühne. Grundsätzlich lieben wir unseren Beruf, deshalb beschäftigen wir uns auch so besonders gern mit alten Autos. Bei den neuen Fahrzeugen ist ja mittlerweile die digitale Diagnose das Nonplusultra. Wenn man über die technischen Möglichkeiten nicht verfügt, braucht man sich eigentlich alles nach 1996 nicht mehr auf die Fahne zu schreiben, man kann es nicht reparieren. Das ist auch spannend, vor allem, wenn man irgendwann Erfolg hat, manchmal mit Kleinigkeiten. Zum Beispiel diese Mercedes S-Tonne da. Man fährt los und nach zehn Minuten hat das Auto nur noch die halbe Leistung. Schlussendlich stellt sich heraus, es liegt am Bremslichtschalter. Solche kuriosen Dinge. Kann manchmal ein bisschen nerven. Das Problem ist, es dem Endverbraucher, sprich dem Kunden, zu vermitteln, warum man den ganzen Tag nach einem Fehler gesucht hat. Weil man einfach irgendwo anfangen muss, die sogenannte geführte Fehler­suche ist das, was man heute betreibt, um der Sache auf die Spur zu kommen. Das ist sehr komplex, und man kann leider Gottes bei der geführten Fehlersuche genau an der falschen Stelle anfangen. Sie gibt einem ja vor, in welcher Reihenfolge man was zu prüfen hat. Wenn man Glück hat, ist es nach einer Stunde erledigt und wenn man Pech hat, sucht man noch fünf Tage lang.

Wir haben unsere Berufswahl nie bereut, und obwohl das totaler Zufall war, war es die richtige Entscheidung. Wobei, irgendwie scheint mir das im Blut zu liegen, denn mein Onkel war Kfz-Mechaniker. Er war der Jüngste und durfte in die Lehre gehen. Mein Vater sollte den Hof übernehmen und wurde demzufolge Landwirt. Mein Bruder ist auch Kfz-Mechaniker, in Cloppen­burg, und mein Sohn auch. Das war ja ein Traumberuf früher! 

Wir haben es fast von der Pike auf gelernt, aber keine Kurbelwellen mehr mit Lederriemen belegt. Alte Technik spielt bei uns eine große Rolle, obwohl wir das mit den Oldtimern nicht forciert haben, das ist von ganz allein gekommen, weil wir sie eben noch instand setzen können. Wir versuchen, das auch an unsere Gesellen weiterzugeben, unsere ehemaligen Lehrlinge können alle einen Unterbrecherkontakt einstellen. Heute gibt es nur noch Sensoren. Da vorn steht ein 39er-Opel Olympia, und dort sind Sachen drin verbaut, da wüsste ein frischer Geselle heute gar nicht, was er damit anfangen soll. Da gibt es keine Diagnosebuchse. Da muss erst mal das Grundprinzip verstanden werden. Das Prinzip eines Verbrennungsmotors muss man schon verstehen, aber ansonsten braucht man vieles nicht mehr. Früher waren Motoren nicht so langlebig wie heute, zumindest was den Grundmotor betrifft, Kolben, Zylinder, Ventile und Pleuel. Wenn das gut gewartet wird, hält das unglaublich lange. Alles, was drangebaut ist, die ganze Elektronik, die zur Abgasminimierung bei der Verbrennung dient, ist Hightech, die ist anfällig, und da lauern die Fehler.

Weiterbildung ist prinzipiell Eigeninitiative, man hat die Möglichkeit, diverse Lehrgänge zu besuchen, die natürlich Geld kosten. Man schickt also die Junggesellen auf die Lehrgänge, und eines Morgens legen sie dir die Kündigung auf den Tisch. Alles umsonst, noch mal von vorn, der Nächste bitte. Junggeselle ist man, sobald man die Gesellenprüfung abgelegt hat, für drei, vier Jahre. Erst dann ist man Geselle. Es ist ja nicht so, dass man mit der abgeschlossenen Berufsausbildung von allem schon wirklich einen Plan hat, aber ich denke mal, dass die Lehrlinge hier wirklich etwas gelernt haben, weil sie überall ran durften. Es gibt Lehrlinge, die haben in ihren drei Jahren nur Räder gewechselt, dann hat man keinen Bock auf den Job, das kann ich verstehen.

Ansonsten kann man sich auch selbst bilden, das ist heute nicht mehr so dramatisch, seit Google ist alles möglich. Da steht natürlich auch eine Menge Schrott drin, aber wenn man von der Materie einen Plan hat, kann man sich herausfischen, was wichtig ist, was einem weiterhilft.

Wir haben mittlerweile drei gute junge Schlosser, die von ihrem Beruf wirklich Ahnung haben, der Marcel zum Beispiel, das ist ein richtiger Allrounder, der kann Karosseriearbeiten machen und, was ganz wichtig ist, er ist der absolute Elektronikfreak, der findet auch Fehler, da haben schon manche Vertragswerkstätten aufgegeben. Und das hat er größtenteils hier gelernt. Der schraubt auch zu Hause nebenbei, das sind so Dinge, die braucht man nicht zu unterbinden.

Wer hier anfangen will, darf grundsätzlich nicht allergisch sein gegen irgendwelche Öle oder Schmierstoffe, das kommt häufiger vor, als man denkt. Man muss ein Technikfreak sein und handwerkliches Interesse haben, das sollte möglichst aus den Genen kommen. Man muss EDV verstehen, und sich nicht scheuen, sich ständig weiterzubilden. Ich sage immer, im Endeffekt ist man heute schon ein halber EDVer, anders geht es nicht mehr.

Letztes Jahr gab es erstmals eine Bewerbung einer jungen Frau, da passten aber die Zeugnisse nicht. Es sollte schon ein Realschulabschluss sein, die Bereiche Mathe und Englisch sollten gut oder wenigstens befriedigend sein. Drunter braucht man damit gar nicht mehr anfangen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sie sonst einfach die Prüfung nicht packen, und dann schiebt man bloß einen Prüfungsvorbereitungslehrgang nach dem anderen hinterher.

Wir hatten ein einziges Mal jemanden von der Hauptschule, den konnten wir nicht durchbringen. Handwerklich war er super, aber theoretisch packte er es nicht. Bei der ersten Gesellenprüfung fiel er durch, bei der zweiten auch, also es ging nicht. War in der Theorie einfach nicht zu machen. Es heißt ja heute auch nicht mehr Autoschlosser oder Automechaniker, sondern Automechatroniker, das hat schon seinen Grund.

Der Stellenwert des Handwerks wächst wieder. Was hilft dir das tollste Auto, wenn du nicht weißt, wer es dir repariert? Wenn es nicht jemanden gibt, der sich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt hat? Handwerk hat goldenen Boden, das ist auch heute noch so. Es gibt bloß nicht genug Handwerker, es kommt ja niemand nach. Die Flüchtlinge helfen uns da erst mal auch nicht weiter. Wir hatten aber diesbezüglich auch noch keine Anfragen. Damals während des Kosovokriegs gab es hier schon mal Flüchtlinge und da hatten wir jemanden, der war richtig gut. Der wurde aber nach sechs Jahren wieder ausgewiesen.

Es gibt gerade definitiv einen Mangel an Leuten, die ein Handwerk erlernen wollen, egal in welchem Bereich. Man muss gucken, wie es weitergeht, das bewegt sich immer in Wellen. Mal wollen alle studieren, und wenn sie dann merken, dass es Mist ist, wenn alle studieren, dann kommt die nächste Handwerkswelle. Solche Studierwellen gab es auch schon zu unserer Zeit, plötzlich gab es keine Lehrlinge mehr und dann ging es wieder anders­herum. Das regelt der Markt. Und die Schule soll mal zusehen, dass gewisse Grundkenntnisse bis zur zehnten Klasse vermittelt werden, Schüler müssen lesen und schreiben können. Wir haben hier viele Praktikanten, bei denen hört es oft schon bei der Bruchrechnung auf. Von Prozentrechnung ganz zu schweigen.

Auch bei den Realschülern sind die Kenntnislücken in Mathe gravierend. Ist doch logisch, das lernen die heute so nicht mehr, alle haben sie ihr Handy, Kopfrechnen ist was für Vollidioten. Dabei ist Prozentrechnung eine absolute Grundkenntnis, das gehört zur Allgemeinbildung. In den Geschäften müssen sie bei 20 Prozent Nachlass heute den Endpreis aufs Etikett schreiben, weil die Leute das nicht mehr selbst ausrechnen können. Da hat der Gesetzgeber reagiert.

Handwerk wird massiv nach oben gehen, das Lohnniveau für Hand­werker schraubt sich schon nach oben. Immer dort, wo es Mangel gibt, muss mit Geld nachgeholfen werden, sodass man davon wieder ordentlich leben kann. Was zwischendurch auch schon schwierig war. Ein Kfz-Mechaniker geht selbst in Cloppenburg in der Anfangszeit mit 1400 bis 1500 Euro nach Hause. Da kann man gerade so mit klarkommen, aber besonders viel ist es nicht. Ich kenne bei VW Schlosser, die fangen mit 1100 Euro an. Da sind die 25. Im Endeffekt ist es ganz einfach: Handwerk ist dann wieder interessant, wenn dementsprechend Geld fließt, sodass die Leute vernünftig davon leben können. Dann wird es auch Leute geben, die sich dafür entscheiden. Aber wenn ich als Maurer mit 1200 Euro nach Hause gehe und noch nicht mal eine Familie davon ernähren kann und unter Umständen dafür früh um 6 Uhr ins Auto steigen und nach Berlin fahren muss und abends um 18 Uhr zurück bin, also zwölf Stunden auf Achse, dann ist das zu wenig. Die wollen natürlich lieber alle Abitur machen, damit sie einen ordentlichen Job kriegen. Aber heute ist es doch oft so: Abi, studieren, arbeitslos.

Von den Vertragswerkstätten sehen wir teilweise Sachen, bei denen wir die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Nicht ordentlich zu Ende gearbeitet, oder man kann sehen, die haben das erst gar nicht gemacht. Ein Beispiel: Es rief ein Freund aus Berlin an, er war mit seinem Auto in der Werkstatt, weil die Airbag-Lampe aufleuchtete. Man sagte ihm, der Airbag auf der Fahrerseite sei kaputt, das sollte 500 Euro kosten. In Wirklichkeit war es bloß der Stecker unterm Sitz.

In den freien Werkstätten erlaubt man sich das nicht, weil man die Kunden schließlich behalten möchte. Wenn so ein Kunde kommt, hier neu erscheint und man hat das Problem innerhalb von zehn Minuten gelöst und lässt sich zehn Euro Trinkgeld geben, dann hat man den Kunden am Haken. So darf man das ruhig sagen, so darf man auch denken. Es ist mein Interesse, möglichst viele Leute hier zu binden. Egal, wie ich das mache. Wichtig ist, dass man ehrlich ist. Und einfach sagt: „Pass auf, das wäre demnächst fällig und so könnte man das machen. Du kannst dir auch noch drei Monate damit Zeit lassen, aber ich weise schon mal darauf hin.“

Die Landesstraßenmeisterei, die Stephanus-Stiftung, das Haus Sozialer Integration, das sind Institutionen, die man gern als Kunden hat, denn die haben eine Menge Autos. Und bezahlen pünktlich. Da hat man auch dran gearbeitet. In erster Linie hängt das mit dem Ruf zusammen, aber wir mussten auch Angebote machen. Da haben die erst mal geschnallt, dass eine Durchsicht bei uns bloß halb soviel kostet wie bei VW, und das mit dem gleichen Material. Bei VW steht Glühbirne wechseln mit dem Montagewert auf der Rechnung, das gehört hier zum Service.
Man muss viel ausprobieren, es gibt ständig neue Lieferanten, neue Hersteller. Man kann Qualitätsmaterial kaufen, Qualitätsersatzteile, oder man kann billig kaufen. So etwas probiere ich grundsätzlich erst mal bei meinen eigenen Autos aus, einfach um es zu testen, denn es gibt auch hin und wieder günstige Ware, die nicht schlecht sein muss. Oder man bespricht es mit dem Kunden, macht eine zeitwertgerechte Reparatur, mit einem etwas preisgünstigeren Teil, und behält es im Auge, um zu sehen, wie sich das entwickelt.

Wir sind Innungsmitglied, das ist freiwillig, da muss man für bezahlen, und nicht zu wenig. Aber das ist eine schöne Sache, ein Zusammenschluss von Werkstätten, ein freiwilliger Verein, um sich gegenseitig zu unterstützen. Alles Leute, die Meister sind oder eine Firma führen dürfen, da bekommt man eine Menge Informationen gesteckt, sehr brauchbare Hinweise, die man sonst nicht bekäme. Seitdem in Eberswalde ein neuer Innungsleiter sitzt, gebe ich dieses Geld wieder gern aus, der steckt richtig drin in seinem Beruf und kümmert sich mächtig.

 

Aus: Handwerk - Fotografien von Ingar Krauss und Berichte von Handwerkern aus dem Oderbruch. Werkstattbuch 1, Aufland Verlag 2016

 

 

 

 

 

 

Die Texte entstanden im Zusammenhang der Recherchen
für das Projekt »Ein Handwerkerhaus für Altranft«
im Rahmen des Themenjahres Kulturland Brandenburg 2016
»handwerk – zwischen gestern & übermorgen«.

Kulturland Brandenburg Trafo Landkreis Märkisch-Oderland