Sichtweisen lokaler Akteure auf ein Landschaftsdetail

Von Tobias Hartmann, Altreetz

Landschaft ist gestaltbarer Raum. Doch innerhalb vielfältiger Entwicklungsmöglichkeiten werden in der Erschließung neuer Handlungsspielräume naturräumliche Verhältnisse tendenziell vereinheitlicht betrachtet. Eigenarten einer Landschaft werden übersehen und der Umgang mit landschaftlicher Heterogenität bleibt oftmals undifferenziert. Durch das Offenlegen landschaftlicher Heterogenität soll hier der Versuch unternommen werden, das Landschaftsbewusstsein zu schärfen, um aus dieser differenzierten Betrachtung landwirtschaftliche Grundhaltungen in der Landschaft zu erfragen, um daraus Handlungsspielräume zu erarbeiten.

Fokus Ackersenke

Die Ackersenke ist ein spezifisches Landschaftselement des Oderbruchs. Geringe Geländevertiefungen reichen aus, dass sich hier teilweise ganzjährig Oberflächenwasser sammelt. Das Oberflächenwasser in den Ackersenken kann fast ausschließlich nur durch die Verdunstung entweichen, da eine wasserundurchlässige Lehmschicht eine Versickerung verhindert. Für die Landwirte im Oderbruch ist das Wasser in den Ackersenken in erster Linie ein Ärgernis. Die Pflanzenkulturen stehen oftmals zu feucht und lassen sich nur schlecht, zeitweise gar nicht befahren.
Als Grundlage zur diskursiven Auseinandersetzung mit einer Landschaft wurden exemplarisch sechs Gespräche mit Landwirten aus dem nördlichen Oderbruch geführt. Es galt, den genauen Umgang der Landwirte mit den Ackersenken zu erfragen. Und außerdem zu untersuchen, wo fruchtbare Impulse entstehen, wenn die gesammelten Aussagen zusammengetragen werden.
Der Beitrag stellt in diesem Zusammenhang bewusst ein Landschaftsdetail in den Fokus der Betrachtung. Dabei wird die These vertreten, dass es essentiell wichtig ist, im Rahmen einer nachhaltigen Regionalentwicklung, bei der Suche nach Entwicklungspfaden in einer Region landschaftsorientiert zu arbeiten. Die Betrachtung eines einzelnen Details schärft hierbei den Blick auf landschaftliche Besonderheiten. Statt naturräumliche Verhältnisse zu vereinheitlichen, soll die Landschaft durch die Thematisierung der Ackersenke weiter differenziert werden. Die Gespräche dienen somit der Erweiterung des Landschaftsverständnisses.

Der Beitrag resultiert aus einer Abschlussarbeit an der Hochschule Osnabrück, die in Zusammenarbeit mit dem Büro für Landschaftskommunikation entstand. An dieser Stelle sei besonders den Landwirten /-innen zu danken, die sich für ein Gespräch Zeit genommen haben und diese Abschlussarbeit ermöglichten.

 

Ackersenken im Oderbruch

Eine Senke, die aufgrund von erhöhter Nässe nur temporär zu bewirtschaften ist. Es wachsen erste Pionierpflanzen feuchter Standorte.

Ackersenken im Oderbruch

Konnte das Getreide auf diesem Feld noch geerntet werden, war es für die Nachbearbeitung schon zu feucht.

 
Ackersenken im Oderbruch

Diese Senke ist mit Wasser gefüllt und lässt sich nicht bewirtschaften.

Ackersenken im Oderbruch

Landwirte versuchen möglichst dicht um die Senken zu fahren. Damit soll wertvolles Ackerland erhalten bleiben und die natürliche Sukzession verhindert werden.

 
Ackersenken im Oderbruch

Blick vom Deich in das Oderbruch bei Zollbrücke. Ackerflächen, unterbrochen durch Einzelbäume und Baumreihen, prägen das Landschaftsbild.

Landschaftsraum Oderbruch

Die Gespräche wurden mit Landwirten aus dem Oderbruch geführt, eine Kulturlandschaft mit hoher Eigenart (Röhring 2008). Das Oderbruch ist heute geprägt durch Entwässerungsgräben und naturnahe Oderaltarme, Wehre, Schöpfwerke, Deiche und Polder. Zudem wird das Landschaftsbild großräumig von Ackerflächen dominiert und ist beinahe frei von Wald. Weiter prägend für das Oderbruch sind starke Pfadabhängigkeiten zwischen der Entwässerung, dem Hochwasserschutz und der landwirtschaftlichen Nutzung, sowie der Besiedlung (Röhring 2008).

Wurde die Trockenlegung des Oderbruchs einst durch den absolutistischen Staat Friedrichs II. mit hohen Kosten und staatlichem Druck durchgesetzt, nehmen heute gänzlich andere Rahmenbedingungen Einfluss auf den Handlungsspielraum im Oderbruch (EU-Agrarpolitik und ländliche Entwicklungspolitik, EU-Wasserrahmenrichtlinien, Klimawandel, Energiewende, zunehmende Energiekosten der Entwässerung, Marktwirtschaft).

Es fällt auf, dass es heute an klaren Positionen und Perspektiven, die Entwicklungen lenken könnten, fehlt (vgl. Broschüre "Das Oderbruch sind alle, die es gestalten"). Die Arbeit stellt heraus, dass sich weder in der Politik, Wissenschaft und Planung in den letzten 20 Jahren klare Positionen für die Zukunft des Oderbruchs entwickelt haben. Dabei findet kein gesamtgesellschaftlicher und aktiver Umgang mit den Pfadabhängigkeiten im Raum statt (Röhring 2008). Zwar geraten eingespielte Leitbilder und Handlungslogiken im Oderbruch immer wieder in die Kritik und es werden Anpassungen gefordert, doch bleibt die „Ausnutzung und Erweiterung der gegebenen Handlungsspielräume“ aus (Röhring 2008: 132).

 


 

Erfahrungen aus den Gesprächen

Landwirte machen bei ihrer täglichen Arbeit vielfältige Erfahrungen in der Landschaft, von denen sie bereitwillig erzählt haben. Wesentliche Aussagen werden im Folgenden kurz zusammengefasst und anhand von Zitaten verdeutlicht.

Die Gespräche werden in den folgenden einzelnen Portraits abgebildet.

Zum Lesen der vollständigen Portraits bitte die Überschriften der einzelnen Beiträge anklicken.

 

 


 

„Ein Höhenbauer kommt im Oderbruch nicht zurecht.“

„Dort habe ich früher als kleines Kind noch geheut, jetzt steht dort Urwald.“

„Hier hat man vor 10 Jahren schon die Schlacht verloren.“

„Die berühmten Sumpflöcher.“

„Jeder hat seine Philosophie.“

„Man ist manchmal ratlos.“

„Jeder hofft, dass die Dinger verschwinden.“

„Man muss wissen, dass man damit leben muss.“

„Bin doch durchgekommen.“

„Mit Gewalt geht hier gar nichts.“

„Wenn ich das Land nicht bewirtschaften kann, ist es eine Entwertung“

„Das Oderbruch ist unsere Existenz.“

„Wenn ich das Land nicht bewirtschaften kann, ist es eine Entwertung“

„Das Oderbruch ist unsere Existenz.“

„Es muss in die Landschaft passen.“

„Der Biber gehört hier nicht hin.“

„Wie oft haben wir den Kampf schon verloren?“

„Ein bisschen Land opfern, damit wir mehr retten.“

„Du musst ein Händchen dafür haben.“

„Nicht versuchen gegen die Natur zu arbeiten.“

„Man lernt damit zu leben.“

Berichten Landwirte von ihren Erfahrungen in der Landschaft, geht es meist um die im engeren Sinne landbaulichen und technischen Angelegenheiten. Die Bindung zwischen Arbeit und Land wird in den Gesprächen deutlich sichtbar. Die Arbeit in der Landschaft stellt sich als bedeutsamer Punkt für das Aneignungsverhältnis zwischen Mensch und Naturraum heraus. Denn worüber ein Landwirt berichtet, hat immer mit der praktischen Aneignung der Landschaft zu tun.
Die befragten Landwirte haben aufgrund von ihren Erfahrungen in der Landschaft einen Blick für die Eigenart des Oderbruchs. Naturräumliche und historische Zusammenhänge des Oderbruchs werden ebenso genannt, wie die Spezifika des einzelnen Feldes.

Im Umgang mit den Senken können keine allgemeingültigen Regeln festgelegt werden. Die Strategien können unter-schiedliche Bodenbearbeitungsmethoden oder Saattermine beinhalten. Manchmal entscheidet es sich erst auf dem Feld, ob ein Durchfahren der Senke möglich ist.
Aufgrund individueller Erfahrungen in der Landschaft sind die genauen Strategien im Umgang mit den Senken jedoch sehr unterschiedlich.

Ähnlich individuell lassen sich auch die Grundhaltungen der Landwirte darstellen. Viele machen auf den Fleiß und die Arbeit aufmerksam, die hinter der Trockenlegung steckt. Durch die Inkulturnahme des Oderbruchs wurden Strukturen geschaffen, die daher nicht einfach rückgängig gemacht werden dürften. Eine Vernachlässigung des Entwässerungssystems erscheint aus dieser landwirtschaftlichen Grundhaltung widersinnig. Die Verantwortung für die Erhaltung einer Landschaft ist groß.

Nur wenige Landwirte geben konzeptionelle und planerische Aussagen oder Vorschläge zu Alternativen in der Landnutzung der Senken. Es bestehen zwar in allen Gesprächen klare Vorstellungen, was in die Landschaft gehört und was nicht: „Jeder hofft, dass die Dinger verschwinden.“ Aber es werden nur wenige Möglichkeiten oder Alternativen für den zukünftigen Umgang mit der Landschaft genannt oder aktuell erarbeitet.
Ob eine Senke letztendlich durchfahren werden kann, wird momentan anhand von eigenen, differenzierten Erfahrungen entschieden.

Die Landwirte gehen einen bewussten Umgang mit Senken ein, indem sie die naturräumlichen Verhältnisse differenzieren. Diese Verbindung stellt sich als wichtigster „Schlüssel (...) zum Verständnis ihrer Landschaft“ (Schmidt 2009: 269).

Als besonders wertvoll stellt sich heraus, dass sich bei den Landwirten eine Form des Lernens entwickelt hat, in der die Besonderheiten der Landschaft erkannt und für einen bewussten Umgang mit ihnen herangezogen werden. Sie zeigten in den Gesprächen, dass die Schärfung des Landschaftsbewusstseins, die Lesbarkeit der Landschaft erhöhtund zeigten so eindrucksvoll, welchen Nutzen dieser Lernprozess hat.




 


 

Die Geschichte einer Landschaft geht weiter

Auch wenn die Zukunft des Oderbruchs offen ist, die Geschichte dieser Landschaft geht weiter. Die Entwicklung kann und sollte jedoch bewusst gestaltet werden.
Im Oderbruch, das durch naturräumliche und historische Besonderheiten eine hohe Eigenart aufweist, hat sich die differenzierte Betrachtung dieser Besonderheiten als wertvoll herausgestellt, weil sie etwas über Nutzungsmöglichkeiten in der Landschaft verraten.
Die interviewten Landwirte haben in den Gesprächen gezeigt, dass sie auf dem Feld Besonderheiten erkennen, Heterogenität wahrnehmen und mit Hilfe ihrer Erfahrungen einen Umgang damit wählen. Sollen neue Handlungsspielräume in der Landschaft erschlossen werden, sind die unterschiedlichen Sichtweisen auf einen Landschaftsraum zu nutzen. Auf die Eigenart einer Landschaft muss deshalb immer wieder aufmerksam gemacht werden. Die Landwirte zeigen in den Gesprächen, wie unumgänglich diese Aufmerksamkeit für einen bewussten Umgang mit der Landschaft ist. Die Wahrnehmung von Besonderheiten kann daher als ein bedeutsamer Anknüpfungspunkt für das Kulturlandschaftsbewusstsein hervorgehoben werden und die gewohnte Landschaftswahrnehmung erweitern (vgl. Stotten et al.2012). Die wahrgenommene und empfundene Landschaft stellt sich als bedeutsamer und letztlich planungsrelevanter Untersuchungsgegenstand heraus.
Landschaftsdiskurse sollten den öffentlichen Austausch unterschiedlicher Sichtweisen in der Landschaft fördern. Es können dadurch letztlich neue Management- und Nutzungsmöglichkeiten erschlossen werden.
Die Gespräche zeigen auch: Ein Austausch von Strategien im Umgang mit den Senken findet unter den Landwirten im Oderbruch nicht oder nur in geringem Umfang statt. Vielmehr wird berichtet, dass jeder Betrieb seiner eigenen „Philosophie“ folgt. Auch die Landwirte müssen sich daher fragen, ob dadurch nicht wichtiges Landschaftswissen verloren gehen könnte und wie weit sie selber, diskursstiftende Beiträge leisten sollten.

 


 

Ausblick

Das Schicksal dieser Landschaft ist aktuell ungelenkt. Die Arbeit versucht die Landschaft differenziert zu betrachten und den Blick auf ein einzelnes Landschaftsdetail zu schärfen. Welche Rückschlüsse können in diesem Zusammenhang gezogen werden?

  • Für die Nutzung der Senken wurden bisher keine durchweg zufriedenstellenden Lösungen gefunden. Bestehende Rahmenbedingungen, wie die ländliche Entwicklungspolitik der EU, stellen bisher keine Lösungen bereit. Es müssten Möglichkeiten des bewussten Umgangs mit landschaftlicher Eigenart erarbeitet werden.
  • Ziele unterschiedlicher Interessen müssten in der Landschaft stärker forciert und abgestimmt werden. Denn aktuell bleiben zahlreiche Zielkonflikte ungelöst. Auf diese sollte die Politik dringend aktiv eingehen.
  • Auch aus der Wissenschaft sollten klare Positionen zu landschaftlichen Zusammenhängen gefasst werden. Vielfältige Forderungen der Landwirte, gilt es durch die Wissenschaft auf die Machbarkeit zu überprüfen. Durch einen Wissenstransfer zwischen Landnutzung und Wissenschaft sollten Nutzungsmöglichkeiten untersucht werden.
  • Es müssen eigene Handlungsspielräume aktiv gesucht werden. Hierbei müssen vor allem der Landschaftsplanung Aufgaben zugeteilt werden, damit Konzepte zur Realisierung kommen.


In einem transdisziplinären Verständnis der Landschaft müssen neben funktionalen und räumlichen Aspekten auch Aneignungsverhältnisse der verschiedenen Akteure in der Landschaftsplanung zur Geltung kommen.

„Landschaft ist geteilter Raum“ (Anders & Fischer 2012: 14). Die Gestaltung und Regelung von Landschaft ist somit eine gemeinsame Aufgabe.
Es liegt zum einen in der Verantwortung der Politik, Wissenschaft, Planung und landschaftlichen Praxis, wie für dengemeinsamen Raum, anhand spezifischer landschaftlicher Bedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten genauer herausgearbeitet und genutzt werden können.
Zum anderen muss der fortlaufende Landschaftsdiskurs, zu einer kollektiven Verständigung über den Raum führen. Die Verantwortung liegt also auch bei den Akteuren selbst, die allerdings durch geeignete Formen der Diskursgestaltung angeregt und unterstützt werden müssen.
Einen Anstoß hierfür liefern die vier Collagen, die als Teil des vorliegenden Beitrags erarbeitet wurden. Sie verdeutlichen die Vorgehensweise und bringen diese mit den erarbeiteten Inhalten als Sammlung von Bild und Text zusammen:
Landschaft ist gestaltbar, aber es müssen die Entwicklungsgeschichte des Oderbruchs (Collage 1) und seine Besonderheiten (Collage 2) beachtet werden, um eine landschaftsorientiere Raumentwicklung zu ermöglichen. Gespräche über die Landschaft verraten vieles über Eigenarten, Sorgen, Bedeutungen, Schwierigkeiten, Kritik und Möglichkeiten der Landwirte (Collage 3 und 4).

 

Ackersenken im Oderbruch

Collage 1: Landschaftsraum beschreiben

Ackersenken im Oderbruch

Collage 2: Landschaftsbewusstsein schärfen

Ackersenken im Oderbruch

Collage 3: Akteure erklären

Ackersenken im Oderbruch

Collage 4: Möglichkeiten erschließen

 


Collage 1: Landschaftsraum beschreiben

Um ein Grundverständnis zum Oderbruch aufzubauen, bedarf es der Auseinandersetzung mit der historischen Entwicklung.
Die erste Collage beschreibt einige Merkmale der Entwicklungsgeschichte des Oderbruchs. Wandel der Landnutzung: Das bisherige Ziel war die alleinige Agrarnutzung durch die stetige Intensivierung der Entwässerung. Den Grundstein legte Friedrich II, die letzte deutliche Intensivierung fand durch die Komplexmelioration (1967 - 1987) statt. Heute werden jedoch neue vielfältige Anforderungen an den Raum gestellt (Energiewende, EU-Agrarsubventionen, Artenschutz oder die CO2-Verpressung). Die Zukunft des Oderbruchs bleibt unbestimmt und unbeantwortet. Das Konzept von Quast (2003) oder die erstellten Oderbruchfiktionen durch den Oderbruchpavillon (2008) geben aktuelle Impulse. Die heutige Situation bleibt jedoch ungeordnet. Stetig vorhanden ist dabei immer die Pfadabhängigkeit zwischen Landnutzung und dem Wasserregime, welche durch das Entwässerungsnetz dargestellt wird. Offen bleibt die Frage, wie es von hier aus weitergehen kann.

Collage 2: Landschaftsbewusstsein schärfen
Strategien für einen bewussten Umgang und Entwicklungsoptionen können nur durch eine differenzierte Auseinandersetzung mit Einzelaspekten erfolgen. Das Landschaftsbewusstsein muss dazu geschärft werden.
Diese Collage stellt zwei Punkte in den Vordergrund. Die als Fenster dargestellten Details in der Landschaft stellen zum einen eine Auswahl der Details dar, von denen die Landwirte berichteten: Der Biber, der das Entwässerungssystem des Oderbruch beeinflusst, zwei Puzzleteile, die verdeutlichen, das Landwirte oftmals benennen können, was in der Landschaft zusammenpasst und was nicht. Die Skizze eines Landwirts verdeutlicht, dass er die Heterogenität der Landschaft (z.B. Höhenunterschiede) erkennt.
Zum anderen liegt im oberen Bereich der Collage eine Bodenkarte. Zwar kennen die Landwirte diese Karten, sie nutzen jedoch vor allem ihre Erfahrungen, die durch das sehr enge Verhältnis zwischen Land und Arbeit entstehen, um die genauen naturräumlichen Gegebenheiten anhand der Landschaft zu beschreiben. Die Karte ist deshalb in der Collage nur blass dargestellt, während der Landwirt zeigend im Vordergrund steht.

Collage 3: Akteure erklären
Bevor über Entwicklungsstrategien verhandelt werden kann, müssen Sorgen, Kritik und Bedeutungen, sowie Schwierigkeiten, die in der Arbeit mit der Landschaft entstehen,offengelegt werden.
Diese Collage zeigt Zitate aus den mit den Landwirten geführten Gesprächen, die den Begriffen Eigenart, Sorgen, Bedeutung, Schwierigkeiten, Kritik und Möglichkeiten zugeordnet werden. Einige der Zitate lassen sich in ihrer Aussage zwischen den Begriffen anordnen, deshalb wurden keine klaren visuellen Abgrenzungen gezogen. Das Hintergrundbild der Landschaft verdeutlicht außerdem diesen Aspekt, denn auch die Landschaft besteht aus übergreifenden Zusammenhängen. Der Notizblock soll daran erinnern, dass die Aufnahme von Aussagen der Akteure, z.B. durch ein Protokoll, wie es in diesem Beitrag geschehen ist, erfolgen sollte, um sie als Perspektiven festhalten zu können.

Collage 4: Möglichkeiten erschließen
Die vierte Collage stellt beispielhaft vier Nutzungsmöglichkeiten von Senken zur Diskussion. Wie durch Landwirt Wilfried Daue bereits angemerkt, muss im Einzelfall über Nutzungsalternativen entschieden werden. Daraus entsteht ein individueller Umgang mit einzelnen Senken. Neben der Angabe der Nutzung (linke Seite) wird deshalb jeder hier dargestellten Senke ein Name gegeben (rechte Seite).
Senken könnten für den Wasserrückhalt genutzt oder durch einen Anschluss an einen nahegelegenen Graben entwässert werden (Melioration). Außerdem könnte geprüft werden, in wie weit eine Kurzumtriebsplantage mit standortangepassten Gehölzen, wie der Weide, in Frage käme. Eine Alternative, die bisher noch nicht in Betracht gezogen wurde, hier aber als Anregung für den Diskurs mit in die Collage aufgenommen wurde. Die zuletzt dargestellte Möglichkeit zeigt, welches Risiko in der aktuellen Bewirtschaftung eingegangen wird. Es erscheint lohnenswert Nutzungsalternativen in Erwägung zu ziehen.

 




Quellenverzeichnis:
ANDERS, K. & FISCHER, L. (2012): Landschaftskommunikation. Thesen und Texte. Aufland, Verlag, Croustillier.

QUAST, J. (2003): Begründung der historischen Wasserbaumaßnahmen zur Trockenlegung des Oderbruchs und deren Wertung aus heutiger Sicht. Wasser & Boden 55 (6): 9‐14.

RÖHRING, A. (2008): Pfadabhängigkeiten und Handlungsspielräume in der Kulturlandschaftsentwicklung des Oderbruchs. In FORST, D.; GAILING, L.; POLLERMANN, K. & RÖHRING, A. (Hrsg.): Kulturlandschaft als Handlungsraum. Institutionen und Governance im Umgang mit dem regionalen Gemeinschaftsgut Kulturlandschaft. Rohn, Dortmund.

SCHMIDT, G. (2009): Wanderung mit Bauern. Oder: Über das Schöne und Nützliche in modernen Kulturlandschaften. In STODIEK, F. (Hrsg.): Kritischer Agrarbericht 2009. Landwirtschaft im Klimawandel. ABL Verlag, Hamm.

STOTTEN, R., DURRER, B. & MEIER KRUKER, V. (2012): Schlussbericht Kulturlandschaft gemeinsam verstehen. Hochschule Luzern. Online Veröffentlichung: http://www.hslu.ch/download/s/schlussbericht-kulturlandschaft.pdf

oderbruchpavillon.de: Oderbruchfiktionen. Vier Szenarien für das Oderbruch.
http://oderbruchpavillon.de/bausteine/beitraege/szenarien.htm (Zugriff am 18.11.2012).

 

Download:
<<< Sichtweisen lokaler Akteure auf ein Landschaftsdetail, Bachelorarbeit Tobias Hartmann
<<< Collagen

 

Weitere Beiträge:
<<< Grund und Boden: Fundamente einer Landschaft
<<< Mit beiden Beinen mitten im Dorf. Ein Gespräch mit Landwirt Ulrich Leupelt
<<< Eine Allianz für das Oderbruchgemüse. Im Gespräch mit Dr. Manfred Großkopf